Metzgerei rund um die Uhr: Smartstore in Grabenstätt und Automaten im Chiemgau

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Fleisch rund um die Uhr am Chiemsee

In Grabenstätt steht in einer ehemaligen Tankstelle ein Metzgerladen ohne Personal – offen auch sonntags. Warum das seit August 2025 erlaubt ist und welche Automaten im Chiemgau wirklich durchgehend öffnen.

Sonntagabend, der Braten fehlt: Rund um den Chiemsee gibt es dafür inzwischen mehrere Anlaufstellen ohne Personal und ohne Öffnungszeiten im klassischen Sinn. Der Grund dafür ist ein bayerisches Gesetz, das erst seit dem 1. August 2025 gilt – und es macht einen Unterschied, ob du vor einem Automaten oder vor einem begehbaren Laden stehst.

Grabenstätt: ein Metzgerladen in der alten Tankstelle

Die Fleischerei Reiter aus Achthal betreibt am Eichbergfeld 1 in Grabenstätt einen sogenannten Smartstore – im Gebäude einer ehemaligen Tankstelle. Der Betrieb kündigt ihn auf der eigenen Seite schlicht mit „Immer geöffnet!“ an.

Zwei Angaben sind für die Planung wichtig, und beide stehen so beim Betreiber:

  • Keine App, keine Registrierung. Du brauchst kein Konto und keinen Zugangscode.
  • Bezahlt wird mit Karte – EC-, Bank- oder Kreditkarte. Bargeld nennt der Betrieb für diesen Standort nicht.

Wer Beratung an der Bedientheke möchte, ist hier falsch: Die fünf bedienten Läden der Fleischerei liegen in Achthal, Teisendorf, Ruhpolding, Siegsdorf und Petting – alle mit ganz normalen Öffnungszeiten und alle sonntags zu.

Automat oder begehbarer Laden – der Unterschied ist rechtlich entscheidend

Umgangssprachlich heißt beides „Automat“. Im bayerischen Ladenschlussrecht sind es aber zwei verschiedene Dinge:

  • Ein einzelner Warenautomat, der außerhalb einer Verkaufsstelle ein beschränktes Sortiment anbietet, fällt gar nicht unter die Ladenschlusszeiten. Das ist der Kasten an der Hauswand oder am Hofeingang.
  • Ein begehbarer Laden ohne Personal ist eine Verkaufsstelle. Für ihn gilt seit 2025 eine eigene Ausnahme – und die hat Grenzen.

Warum das seit dem 1. August 2025 geht

Bayern hat das Ladenschlussgesetz des Bundes durch ein eigenes Landesgesetz ersetzt, das Bayerische Ladenschlussgesetz (BayLadSchlG) vom 25. Juli 2025. Es gilt seit dem 1. August 2025. Der entscheidende Satz steht in Art. 2 Abs. 2:

„Personallos betriebene Kleinstsupermärkte mit einer unmittelbar dem Verkauf dienenden Grundfläche von bis zu 150 m², in denen kein persönlicher Kundenkontakt stattfindet und die Auswahl, Übergabe und Bezahlung der Waren mittels eines oder mehrerer Warenautomaten oder mittels Selbstbedienung erfolgt, dürfen in den allgemeinen Ladenschlusszeiten geöffnet sein.“

Die allgemeinen Ladenschlusszeiten sind in Bayern: Sonntage und Feiertage ganz, montags bis samstags bis 6 Uhr und ab 20 Uhr. Genau davon sind personallose Läden ausgenommen.

Ein Vorbehalt bleibt aber: Die Gemeinden dürfen an Sonn- und Feiertagen einschränken – per Rechtsverordnung, allerdings nicht unter acht zusammenhängende Stunden. Ein „immer geöffnet“ des Betreibers ist also die Regel, keine Garantie für jeden Feiertag.

Weitere Adressen im Chiemgau – und eine, die nicht durchgehend öffnet

Der Smartstore in Grabenstätt ist kein Einzelfall, aber die Angebote unterscheiden sich stärker, als der Begriff „24/7“ vermuten lässt:

  • Metzgerei Angermann, Aschau im Chiemgau (Schulstraße 2): Der Fleisch- und Wurstautomat steht direkt neben der Eingangstür des Ladens. Der Betrieb nennt ausdrücklich „Einkaufsmöglichkeit 24 Stunden täglich“, bezahlt wird bar oder am Kartenterminal. Im Automaten liegen Grillfleisch, Steaks, Würste und Gerichte im Glas.
  • Landhotel Weßner Hof, Marquartstein (Pettendorf 11): Der Grillfleischautomat ist laut Betrieb von 8 bis 19 Uhr zugänglich – also gerade nicht rund um die Uhr. Außerhalb der Grillsaison wird er mit vorgekochten Schmankerln bestückt.
Kurz gesagt: „Automat“ heißt nicht automatisch „nachts offen“. Beim Weßner Hof ist um 19 Uhr Schluss, in Grabenstätt und Aschau nicht. Wer abends losfährt, sollte die konkrete Adresse prüfen statt die Kategorie.

Was du nicht erwarten solltest

Personallose Verkaufsstellen ersetzen keine Metzgerei. Das Sortiment ist auf das begrenzt, was vorportioniert und gekühlt im Regal liegt – keine Bedientheke, keine Wunschmenge, keine Beratung, kein frisch aufgeschnittener Aufschnitt. Sie sind die Lösung für den vergessenen Einkauf und den Sonntagabend, nicht für den Wocheneinkauf.

Einordnung: kein Chiemgauer Sonderweg

Deutschlandweit zählte die Duale Hochschule Baden-Württemberg in Heilbronn Ende Mai 2026 rund 1.000 Smart Stores. Dass sie ausgerechnet in Bayern auch sonntags aufsperren dürfen, ist keine Selbstverständlichkeit: Nach Recherche der Fachzeitschrift Lebensmittel Praxis haben bislang erst sechs Bundesländer eine belastbare Grundlage dafür geschaffen – neben Bayern sind das Baden-Württemberg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein.

Drumherum

Wenn du ohnehin in Grabenstätt bist: Der Tüttensee liegt wenige Minuten entfernt. Für den Rest der Region hilft Chiemsee bei Regen, und wer lieber einkehrt als einkauft, findet unter Restaurants die geprüften Adressen.


Häufige Fragen

Die wichtigsten Antworten, kurz und ohne Umwege.

Ist der Smartstore der Metzgerei Reiter in Grabenstätt wirklich rund um die Uhr geöffnet?

Der Betreiber kündigt den Standort Am Eichbergfeld 1 mit „Immer geöffnet!“ an. Rechtlich ist das in Bayern seit 1. August 2025 zulässig. Gemeinden dürfen die Öffnung an Sonn- und Feiertagen allerdings per Rechtsverordnung einschränken – auf mindestens acht zusammenhängende Stunden.

Brauche ich für den Smartstore in Grabenstätt eine App?

Nein. Der Betreiber weist ausdrücklich darauf hin, dass weder App noch Registrierung nötig sind. Bezahlt wird mit EC-, Bank- oder Kreditkarte.

Warum dürfen Läden ohne Personal in Bayern sonntags öffnen?

Art. 2 Abs. 2 des Bayerischen Ladenschlussgesetzes nimmt personallos betriebene Kleinstsupermärkte bis 150 m² Verkaufsfläche von den allgemeinen Ladenschlusszeiten aus – Voraussetzung ist, dass kein persönlicher Kundenkontakt stattfindet und Auswahl, Übergabe und Bezahlung über Automaten oder Selbstbedienung laufen.

Sind alle Fleischautomaten im Chiemgau 24 Stunden zugänglich?

Nein. Die Metzgerei Angermann in Aschau im Chiemgau nennt für ihren Automaten 24 Stunden täglich, der Grillfleischautomat des Weßner Hofs in Marquartstein ist dagegen nur von 8 bis 19 Uhr zugänglich.

Kann ich an den Automaten bar bezahlen?

Das hängt vom Standort ab. Die Metzgerei Angermann nennt Bargeld oder Kartenterminal, der Weßner Hof bar oder EC-Karte. Für den Smartstore in Grabenstätt nennt der Betreiber ausschließlich Kartenzahlung.


Quellen

Alle überprüfbaren Angaben stammen aus diesen Quellen. Abrufdatum jeweils angegeben.

  1. Art. 2 Allgemeine Ladenschlusszeiten, Bayerisches Ladenschlussgesetz vom 25. Juli 2025 – BAYERN.RECHT, Bayerische Staatskanzlei , abgerufen am 30.08.2026
  2. Fleisch- und Wurstautomat – Einkaufen 24/7 – Metzgerei Angermann, Aschau im Chiemgau , abgerufen am 30.08.2026
  3. Grillfleisch-Automat – Landhotel Weßner Hof, Marquartstein , abgerufen am 30.08.2026
  4. Sie können in 5 Läden einkaufen – Fleischerei Reiter, Achthal , abgerufen am 30.08.2026
  5. Smart Stores: Kassiererlose Läden funktionieren – Lebensmittel Praxis , abgerufen am 30.08.2026
  6. Smartstore Grabenstätt – Immer geöffnet – Fleischerei Reiter, Achthal , abgerufen am 30.08.2026

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